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Martin Puttke
Geradeaus auf verschlungenen Wegen. Erinnerungen.
Eulenspiegel-Verlag, Berlin 2026


Fußballbücher werden von Fußballfans gelesen, in der Regel nur von ihnen, Tierbücher von Tierliebhabern und Kochbücher - nicht nur von Hausfrauen. Und so möchte man die Erinnerungen von Martin Puttke nicht nur Tanzfreunden empfehlen, denen allerdings unbedingt, obwohl und weil auf rund vierhundert Seiten fast nur vom Tanz die Rede ist - verbunden mit einer ungewöhnlichen Biografie zwischen Ost und West, von Dortmund über Ostberlin und Stralsund nach Moskau, zurück nach Berlin vor und nach der Wende und schließlich wieder im Ruhrgebiet als Chef des Aaalto-Balletts in Essen.



Puttke schildert ebenso informativ wie unterhaltsam die Stationen und Erfahrungen auf seinem beruflichen Lebensweg: die viel zu späte, aber verzweifelt entschlossene Tanzausbildung, erste Engagements als Gruppentänzer, die Berufung zum künstlerischen Leiter und Direktor der Staatlichen Ballettschule in Berlin (Ost), die zwei Jahre als Ballettdirektor an der Staatsoper und die mehr als zwölf Jahre als Ballettintendant in Essen. Dabei wird eine persönliche Entwicklung deutlich, die von frühen Zweifeln an den Erfolgsaussichten der eigenen Berufswahl zum nicht weniger begründeten Selbstbewusstsein als international anerkannter Tanzpädagoge führt, der 2016 mit dem renommierten Deutschen Tanzpreis ausgezeichnet wurde.



Man lernt bei der Lektüre viel über die deutsche und internationale Tanzgeschichte, die legendären Auseinandersetzungen über das klassische Ballett und den zeitgenössischen Tanz, Kontinuitäten und Diskontinuitäten der Tanzausbildung, Glanz und Elend eines faszinierenden Berufes mit Höhen und Tiefen, Erfolgen und Verlusten, Beförderungen und Verdächtigungen bis zu perfiden Intrigen, die man sich schon gar in der Welt von Kunst und Kultur nicht vorstellen möchte. Die persönlichen Erinnerungen sind auch deshalb nicht rundum erfreulich, aber nie larmoyant. Das gilt auch und ganz besonders für die zahlreichen Anekdoten, nicht zuletzt über das ewige Spannungsverhältnis zwischen Kunst und Politik. Die Lektüre des Buches ist auch deshalb eine Freude, weil der Text von einer stilistischen Eleganz und gelegentlichen Brillanz geprägt ist, die man von professionellen Tänzern auf der Bühne erwarten darf, nicht aber unbedingt zwischen Buchdeckeln einer Autobiografie. Und am Ende bedauert sich der dankbare Leser fast ein wenig, dass es für ihn nur zum Tanzliebhaber gereicht hat.




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