LE SACRE DU PRINTEMPS
Berlin, Staatsoper Unter den Linden
Wenn am Ende der quälenden ersten Minute die Damen des Balletts dem abstrusen Einfall des Choreographen folgend sich eine nach der anderen ihrer Slips entledigt haben, ist der aufregendste Teil der szenischen Realisierung des Frühlingsopfers schon vorbei. Ein paar Minuten braucht die Staatskapelle mit ihrem Chefdirigenten Daniel Barenboim noch, um sich freizuspielen, dann findet für die verbleibende halbe Stunde alles, was diese Aufführung von Strawinskys grandiosem Opus lohnend macht, nur noch unterhalb der Bühne im Orchestergraben statt. So einfallsreich und unverändert modern die Musik Igor Strawinskys 80 Jahre nach ihrer Entstehung noch immer ist, so hilflos wirkt die Choreographie von Angelin Preljocaj, die weit hinter den großen Vorbildern (von Diaghilew über Maurice Bejart bis Pina Pausch) zurückbleibt. Daran ändert auch der bewunderungswürdige Einsatz der Hauptdarstellerin nichts, deren verzweifelter Tanz als völlig entblößtes Opfer die uralte Einsicht bestätigt, dass allzu demonstrative Nacktheit auch dem schwülsten Stoff nahezu jede Erotik austreibt.

Lohnend ist der Ballettabend wegen des ersten Teils, der scheinbar nur das Programm vervollständigt, zumal die Staatskapelle erst zum Sacre eingesetzt wird. Insbesondere der Titel Annonciation nach Musik von Stephane Roy und Antonio Vivaldi überzeugt. Hier stimmt alles: die Musik, die Beleuchtung, die Bewegung, die Gesten und vor allem deren unauflösliche Beziehung. Das eine bekommt erst in Verbindung mit dem anderen seinen Sinn, ganz so, wie Tanztheater sein soll.

CIRQUE ELOIZE
Montreal, Kanada, Ruhrfestspiele Recklinghausen
Wer den traditionellen Zirkus mit dressierten Tieren und albernen Clowns schon immer etwas zu vordergründig und die aufwendigen Medienshows mit großen und kleine Stars allzu anspruchslos findet, hat mit dieser hochprofessionellen Truppe aus Kanada die nahezu perfekte Alternative.
Unterhaltung wie sie besser kaum sein kann: musikalisch und artistisch, poetisch, anregend, nicht anstrengend, hochartistisch, aber nicht artifiziell, lustig, amüsant, aber nicht albern.

Ein „Bombenerfolg“ - weltweit.

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