"Harald Schmidt"
ARD, 23.12.04
Wenn diese Sendung für irgend etwas gut ist, dann als Nachweis für die Illusion, die Programme der sogenannten öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten könnten oder wollten sich substantiell vom eher seichten, unterhaltungs- statt informationsorientierten Angebot der privaten Sender unterscheiden. Für diese dünne Suppe, albern und witzlos, im Abendprogramm der ARD kann es nur die eine traurige Begründung geben: die Leute wollten so etwas sehen, koste es, was es wolle …

Zu dem märchenhaften Vertrag, in dem der WDR seinem ins öffentlich-rechtliche, gebührenfinanzierte (!) Fernsehen heimgekehrten Meister Harald Schmidt die fantastische Gage von 120.000 € für jeweils 30 Minuten Abendunterhaltung zugesagt haben soll, fällt einem fast nichts mehr ein. Oder doch: fast zeitgleich hat der Bayerische Rundfunk, der andere große ARD-Sender, die Auflösung seines Rundfunk-Orchesters und damit die Entlassung von rund 70 hochqualifizierten Musikern angekündigt, um neun Mio. € im Jahr zu sparen – eine Mio. weniger, als die ARD bzw. der WDR sich jährlich die Harald-Schmidt-Show kosten läßt …

Henrik Ibsen: Peer Gynt
Berlin, Berliner Ensemble
Man möchte es nicht für möglich halten, dass ein so bedeutender Regisseur eine so belanglose Inszenierung abzuliefern imstande ist, die kein selbstbewußter und um das Ansehen seines Hauses besorgter Intendant einem weniger bekannten Regisseur hätte durchgehen lassen.
Dass Peter Zadek die eigene, unerschöpfliche Phantasie durchgegangen sei, ist eine freundliche Übertreibung für einen deprimierenden Theaterabend, dessen aneinandergereihte Albernheiten, Kalauer und Peinlichkeiten dem populären, aber schwierigen Stoff jede Poesie austreiben.
Keine Magie, keine Botschaft. Man wünschte sich, man wäre zur Pause gegangen: da war gerade die großartige Angela Winkler einen leisen Theatertod gestorben und damit war der einzige Höhpunkt dieser Aufführung auch schon vorbei.

Carl Zuckmayer: Der Hauptmann von Köpenick
Bochum, Schauspielhaus
In Bochum sind zwei Stücke gleichzeitig zu sehen: eine aufwendige, unterhaltsame Revue und ein fast unauffälliges, leises Drama. Von Live-Musik begleitet präsentiert ein vielköpfiges Ensemble auf der Drehbühne bunte Szenen aus dem Berlin der wilhelminischen Zeit mit der ehrfürchtigen Fixierung auf Uniformen wie dem Tanz um das Goldene Kalb und zugleich spielt der große Otto Sander den kleinen Schuster Wilhelm Voigt, der auf dem Weg von der Gefängnisstrafe zurück ins bürgerliche Leben durch ordentliche Erwerbsarbeit in den Teufelskreis bürokratischer Willkür gerät und im verzweifelten Alleingang zur eigenen Resozialisierung als kostümierter Hauptmann das Rathaus von Köpenick besetzt und schließlich auch mit diesem glanzvollen Theatercoup scheitert.
Beide in Bochum gezeigten Versionen beeindrucken auf ihre Weise, beide beruhen auf dem gleichen Text, nur ihre Verbindung will nicht so recht gelingen.

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