Gold vor Schwarz
Der Essener Domschatz auf Zollverein, Oktober 2008
Noch vor seiner Eröffnung feiert das RuhrMuseum mit dieser Ausstellung eine glanzvolle Premiere. In der ehemaligen Kohlenwäsche der zum Weltkulturerbe erklärten früheren Zeche Zollverein wird der Nachweis geführt, dass die Kulturgeschichte des Ruhrgebiets wesentlich älter ist als seine Industriegeschichte und ganz gewiss nicht weniger eindrucksvoll.

Über 200 Exemplare aus dem Essener Domschatz: Urkunden, Reliquiare, Kreuze, Kronen, Skulpturen, Schmuck und Gewänder, deren Entstehen bis ins 9. Jahrhundert zurückreicht, vermitteln einen Eindruck von der kulturellen Bedeutung und dem künstlerischen Reichtum des Essener Damenstiftes, das um 850 von Bischof Altfrid gegründet wurde und bis zur Säkularisation unter Kaiser Napoleon Anfang des 19. Jahrhunderts Bestand hatte.

Nie war der Essener Domschatz so umfassend zu sehen und so eindrucksvoll inszeniert wie in den dunklen Kulissen des Kohlebunkers einer vergleichweise kurzlebigen Zeche. „Gold vor Schwarz“ zeigt nicht nur eine historische Reihenfolge an. Die Ausstellung ist die adäquate Eröffnungsinszenierung für Essen und die Ruhr als europäische Kulturhauptstadt 2010.


La Bohéme, Regie Robert Dornheim
mit Anna Netrebko und Rolando Villazón, Oktober 2008
Welche Erwartungen! Und welch ein Ergebnis!!

Die Versuchung, nach der grandiosen Salzburger La Traviata das neue Traumpaar der Oper über das Kino einem möglichst großen Publikum nahezubringen, war offensichtlich unwiderstehlich. Die Produktion ist es allerdings nicht.

Auf breiter Leinwand, in altbackenen Studiokulissen, mit viel Kunstschnee und voller akustischer Dröhnung, als ginge es um eine Pink Floyd-Verfilmung, stirbt nicht nur Anna Netrebko als Mimi, sondern Puccinis La Bohème einen rührseligen Bühnentod. Der Weg zwischen Kunst und Kitsch ist manchmal nur kurz, und diesmal mit fünf Millionen Euro gepflastert. Ein Film zum Abgewöhnen: weder für Cineasten noch für Opernfans.


Kuno Gonschior: Nur für Dich und mich Duisburg
Museum Küppersmühle (bis 7. September 2008)
Die Ausstellung ist spektakulär, im besten Sinne des Wortes, obwohl oder gerade weil sie kein Spektakel bietet. Die Retrospektive der Arbeiten des Bochumer Malers Kuno Gonschior aus vierzig Jahren demonstriert einen ebenso virtuosen wie hochprofessionellen Umgang mit Farben – und mit
den Sinnestäuschungen, denen vertraute Sehgewohnheiten unterliegen.

Kuno Gonschior, Schüler von K.O. Götz an der Kunstakademie Düsseldorf und später viele Jahre Professor an der Berliner Akademie der Künste, hat sich fast ein ganzes Leben lang mit der Farbe, ihren Möglichkeiten und ihren Wirkungen, beschäftigt, theoretisch wie praktisch. Er hat nach eigener Auskunft nicht nur alles gelesen, was es zu diesem Thema gab, er hat auch immer wieder mit der Farbe als Material experimentiert. Dabei ist ihm gelungen, was die Wissenschaft für ausgeschlossen hielt: aus einem grünen Punktfeld und einem orangenen Lochraster die Grundfarbe Gelb zu erzeugen.

In seinen meist großflächigen Farblandschaften verzichtet Gonschior gänzlich auf Abbildung, er malt nicht mit Farben, sondern nur Farben. Seine Leuchtfarbenbilder aus den 60er Jahren reizen das betrachtende Auge bis an die Schmerzgrenze – übrigens auch die eigene, was ihn zu neuen Arbeiten mit anderen Farbexperimenten veranlasst. Dabei arbeitet er seit Jahren nicht mit fertigen Farben, sondern mit reinen Pigmenten, die er mal pur verwendet, mal in nur scheinbar monochromen Bildern abmischt.

Schon vor dreißig Jahren war Kuno Gonschior auf der documenta 6 vertreten. Dem Rausch der Farben ist er verfallen, die er zugleich wie kaum ein zweiter zeitgenössischer Maler kontrolliert, den Pointilismus hat er mit seinen fast reliefartigen Farbaufträgen gewissermaßen neu erfunden. Seine Arbeitsweise ist dadurch gekennzeichnet, dass er über Monate hinweg an zehn Leinwänden gleichzeitig arbeitet. Wenn sie fertig sind, befinde er sich „in einem Zustand, in dem ein Glücksgefühl entsteht. Die Farbe hebt mich“.

65 Beispiele seiner außerordentlichen Kunst sind in der Küppersmühle zu sehen; sie halten den Vergleich zu bedeutenden Ausstellungen anderer prominenter Künstler an gleicher Stelle mühelos aus. Ein Glück, kein Gefühl.

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